Tag 21 - 08.02.2017

21. Tag Carretera Austral (Routa 7)

 
Früh werde ich von einem jungen vorwitzigen Hund geweckt, der sich schon zur Hälfte in mein Vorzelt vorgearbeitet hat.

Diesmal liegen wir gut in der Zeit. Um 9 losgefahren, müssten wir es heute gut bis Chaiten schaffen, wo wir die Tickets für die Fähre kaufen müssen um das fehlende Stück der Routa 7 zu umgehen. Aber es sollte alles anders kommen:

Am Anfang schien alles ganz einfach. Sonne und Wolken wechseln sich ab. Ab und zu regnet es ein wenig.  Die ersten 120 km entlang herrlicher Flusstäler mit saftigen Wiesen, eingerahmt von hohen bizarren Bergen, das kristallklare Wasser der Flüsse und Bäche mit Stromschnellen und Wasserfällen. Und das auf nagelneuer Betonstraße mit Geraden und Kurven aller Art bei wenig Verkehr - Motorradfahrers Traum.

Damit ist es schlagartig vorbei. Eine steile Passstraße erweist sich als ruppige Piste mit sehr  engen Serpentinen, durch den Regen zuvor, noch zusätzlich rutschig. Teilweise kann man nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Endlich geschafft, stehen wir vor einer Baustelle. Vollsperrung bis 17:00   Uhr. Die Straße wird hier auf 14 km neu gebaut und wird daher am Tag nur 2 mal jeweils in eine Richtung freigegeben. Irgendwann packen wir Kocher und Geschirr aus und fangen an zu kochen. Von freundlichen Leuten bekommen wir noch ein paar eingekochte Kirschen als Nachtisch.

Der See links der Straße erweist sich als Teil des Wasserlabyrinths zwischen den unzähligen Inseln  und Fjorden mit Verbindung zum Pazifik - die langsam vorbeifahrende Segelyacht zeigt es.

Gegen 17:30 Uhr geht es endlich los. Wir quälen uns mit den anderen Reisenden durch die endlos erscheinende Baustelle. Danach ist zwar wieder alles neu asphaltiert aber zum Teil noch im Bau. Der Ausbau der Routa 7 geht offensichtlich schnell voran und in einigen Jahren werden die letzten Pisten wohl verschwunden sein.

Wir hoffen, dass wir Chaiten heute trotzdem noch erreichen. Aber erst mal wieder gut 10 km extreme, staubige Schotterpiste. Aber endlich freie Fahrt - neu asphaltierte Straße und wenige Autos. Wir kommen jetzt gut voran

Es hat gerade furchtbar geknallt!!!! Ich habe den großen Stein, etwa so groß wie ein Kastenbrot noch rollen sehen (kam gerade von der Steilwand runter), ausweichen konnte ich bei 120 km/h nicht mehr. Mir ist sofort klar, ich kann nicht weiterfahren. Große Delle in der Felge, die Luft war sofort raus. Zum Glück nicht gestürzt. Die Hoffnung auf schnelle Hilfe verschwindet gerade hinter einem Hügel. Torsten, hinter dem ich fuhr dachte bestimmt, dass ich anhalte, um ein paar Fotos zu machen.

Kein Handyempfang und es wird gleich dunkel. Auf einen Hügel geklettert und dort hin und her gelaufen schaffe ich es tatsächlich immer mal kurz Empfang zu bekommen. Nach vielen Versuchen erreiche ich endlich Torsten - sie können nicht umdrehen, da sie gerade wieder durch eine Baustelle fahren. Egal, Hauptsache sie wissen erst mal wo ich bin - habe eh nicht damit gerechnet, dass sie mir heute noch helfen können. Sie müssen inzwischen mindestens schon 50 km weiter sein. Da ist Chaiten näher.

Zum Glück habe ich mich nicht dazu hinreisen lassen, meinen Packsack in den Pickup zu legen. Etwas abseits der Straße baue ich mein Zelt auf. Die "Vorräte" sind überschaubar - ca. 1l Wasser. Bis zum Einschlafen schreibe ich am Bericht.

Mal sehen, was der morgige Tag bringt.

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